Projektmanagement der Superlative im Gotthard-Basistunnel

Das größte Bauprojekt in der Geschichte des Schweizer Projektmanagements ist beendet. Nach 17 Jahren Bauzeit wurde der längste Eisenbahntunnel der Welt am 1. Juni eröffnet. Schon im Vorfeld zeigte sich, dass das Projekt um den Gotthard-Basistunnel ein wahres Vorzeigebeispiel für gutes Projektmanagement ist.

In der Eröffnungszeremonie fuhren gleichzeitig von beiden Enden die ersten Züge in den 57 Kilometer langen Tunnel mit jeweils 500 Passagieren an Bord. Fast zwei Jahrzehnte und rund 11 Milliarden Euro nahm der Gotthard-Basistunnel in Anspruch und wird nun als das Herzstück der „Neuen Eisenbahn-Alpentransversale“ beschrieben. Laut dem Schweizer Bundespräsidenten Johann Schneider-Ammann zeige das Projekt, dass „epochale Leistungen machbar sind.“ Mit dem Tunnel werden „Völker und Volkswirtschaften zusammengebracht“.

Bild: © Hannes Orlieb/ wikimedia.org

Bild: © Hannes Orlieb/ wikimedia.org

Dass der Abschluss des Projekts ein Erfolg werden wird, zeichnete sich schon im vergangenen Jahr auf dem PM Forum in Nürnberg ab: das Projekt um die ARGE-Fahrbahn des Transtec Gotthard gewann den Project Excellence Award, gemeinsam mit der Errichtung des neuen BMW Werkes in Brasilien (wir berichteten darüber auf unserer Webseite). Visionen und Ziele gemeinsam erarbeiten, klare Aufgaben vergeben, die Unterstützung von TOP-Managern im Projekt und der Kunde und das Produkt im Mittelpunkt – dies waren nur einige Faktoren, die das Projekt so erfolgreich machen.

Zuverlässiges Qualitätsmanagement

So wurde beispielsweise mit Forschungseinrichtungen zusammengearbeitet und ein eigenes System konstruiert, um den verschiedenen Anforderungen durch Personen- und Güterzüge an die Stabilität der Gleise gerecht werden zu können. Des Weiteren musste unglaublich präzise gearbeitet werden: in dem 57 Kilometer langem Tunnel duften die parallel verlegten Schienenstränge nicht mehr als 1 mm voneinander abweichen, der Höhenunterschied der Schwellenblöcke durfte nicht mehr als 0,1 mm betragen. Diese Vorgaben galt es einzuhalten – etwaige Überschreitungen und daraus resultierende Unebenheiten könnten die 275 h/km fahrenden Züge zum Entgleisen bringen. Von daher war mehr als ein zuverlässiges Qualitätsmanagement gefragt, dass die genauen Forderungen kontrollierte. Außerdem wurden für das Projekt neue Maschinen entworfen, unter anderem auch ein speziell entwickelter Betonzug, der die Materialien anlieferte und diese erst an der Baustelle zu Beton mischte.

Verdient hat der Gotthard-Basistunnel den Titel „Bauwerk der Superlative“ allemal. Bleibt die Frage, ob die deutschen Bauprojekte sich ein Vorbild an den Schweizern nehmen und ihre Projekte auch erfolgreich in die europäische Geschichte eingehen – wenn sie einmal zu Ende geführt werden.

Quelle: © wikimedia.org Der Gotthard-Tunnel soll die Verbindung von der Nordsee zum Mittelmeer erheblich verbessern.

Quelle: © wikimedia.org
Der Gotthard-Tunnel soll die Verbindung von der Nordsee zum Mittelmeer erheblich verbessern.

Textquelle und weiterführende Infos:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/gotthard-basistunnel-schweiz-feiert-eroeffnung-a-1095211.html

https://www.iapm.net/de/news-events/iapm-blog/!/show/172/gotthard-basistunnel-projekt-ist-gewinner-des-project-excellence-award-/

http://www.tagesschau.de/ausland/gotthard-basistunnel-101.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Gotthard-Basistunnel